Die NATO auflösen

From jungeWelt

18/05/2012
Gipfel der Friedensbewegung in Chicago mit vielfältigen Aktionen gegen den Krieg
Von Reiner Braun, Chicago

 

Blaue Fahnen mit dem NATO-Symbol prägen das Bild der Innenstadt von Chicago, Friedensfahnen sucht man vergebens. Das Willkommen der Stadtoffiziellen gilt den Regierungschefs der NATO, deren Gipfel am Sonntag und Montag in Chicago stattfindet – eine Wahlkampfshow für den aktuellen US-Präsidenten. Ohne Störungen wird sie jedoch nicht ablaufen. Die Friedensbewegung und andere Gruppierungen, besonders auch die Occupy-Aktivisten, rüsten sich für ihre Protestaktionen.

Jeden Abend fanden in dieser Woche Veranstaltungen gegen den NATO-Gipfel statt. Frauen gegen Militarisierung trafen sich genauso wie die Aktivisten gegen Militärbasen oder die Solidaritätsbewegung mit den Völkern Lateinamerikas, vor deren Küsten die 4. US-Flotte kreuzt.

Höhepunkt der Proteste wird der Gegengipfel der internationalen Friedensbewegung zum NATO-Treffen sein, der am Wochenende in der Peo­ple Church in Chicago unter dem Motto »Peace and economic justice« stattfindet. Erwartet werden über 400 Aktivisten aus 14 Ländern. Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, daß in den USA ein zentraler politischer Protest gegen die NATO stattfindet. »Es ist ein großer Erfolg für uns«, so Joseph Gerson, einer der Koordinatoren, »daß mehr als 30 große US-Friedensorganisationen gemeinsam mit kritischen Gewerkschaften diesen Gipfel vorbereiten.«

Unterstützt wird der Kongreß durch das weltweite Netzwerk »No to war – no to NATO«, das u. a. mit Tobias Pflüger an den Plenarveranstaltungen aktiv beteiligt ist und vier Workshops zu zentralen NATO-Themen plant. Am Sonntag wird es einen zentralen Protestmarsch mit der Forderung der NATO-Auflösung geben, auf der auch der Auftritt von Veteranen des Afghanistan- und Irak-Krieges geplant ist. Diese werden demonstrativ vor dem Eingang zum NATO-Gipfel ihre militärischen Auszeichnungen als Protest gegen diese Kriege zurückgeben.

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